20 November 2016

Rezension: Das Reich der Tränen von Janine Wilk


Das Reich der Tränen
Autorin: Janine Wilk
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Thienemann ein Imprint der Thienemann-Esslinger GmbH (14. Februar 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3522183895
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 11 Jahren
Reihenband: Nein
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Immer wenn Mia Tränen in die Augen steigen, verlässt sie die Realität und findet sich im Reich der Tränen wieder - einer Welt mit blühenden Landschaften und Mias treuesten Freunden. Doch die Herrscherin dieses Reichs, Königin Zenoide, trachtet ihr nach dem Leben. Während Mia versucht, ihren Freund Goldiur aus dem Kerker der Königin zu befreien, findet sie heraus, dass das Reich der Tränen sehr eng mit ihrem wahren Leben verwoben ist - und sie sich in der Realität längst in den Fängen der bösen Königin befindet.

>>Phantasie und Einfühlungsvermögen sind nichts anderes als Formen der Liebe.<<
Hermann Hesse



Bei dieser Beurteilung fällt es mir absolut schwer objektiv zu bleiben, denn Mia´s Geschichte ist eine von vielen und auch ich habe mich in einigen Zügen der bösartigen Mutter wieder erkannt. Allerdings nicht in dem Extrem, wie es Mia in dieser traurigen und berührenden Geschichte widerfährt.

Ich zähle mich zu den Müttern, die ihren Kindern beibringen, dass auch Eltern manchmal an ihre Grenzen stoßen, ihnen erklärt, dass Erwachsene keine Götter oder allzeit bereite Roboter sind, sondern genauso mit Gefühlen und Problemen zu kämpfen haben. Ist das falsch? Mache ich mich damit zu einem schlechten Menschen? Ich finde nicht, habe mich aber in manchen Beschreibungen trotzdem schon angesprochen gefühlt.

Auch wenn die Thematik der Geschichte auf Gewalt und extreme psychische Erniedrigung beruht, wurden auch schon Kleinigkeiten, wie Gereiztheit einbezogen von der sich wohl keine Mutter freisprechen kann, wenn man manchmal an seine Grenzen stößt und das hat mich teilweise tief getroffen und nachdenklich gemacht.

Mia ist ein wundervolles Mädchen. Ihre Fantasie und ihr Umgang mit den schrecklichen Familienverhältnissen sind verständlich. Sie liebt von ganzem Herzen, egal was passiert, denn man muss doch seine Mutter lieben oder?
Allerdings konnte ich absolut nicht verstehen wie der Vater dabei zusehen kann, dass die Tochter von der eigenen Mutter und Ehefrau misshandelt wird. Da gab es Situationen wo ich abgrundtief bestürzt war, wie ein Mensch davor die Augen verschließen kann. Ich könnte es nicht!

Mia ist in dieser Situation natürlich wehrlos. Sie kennt es nicht anders und nach jedem Sturm folgt auch immer einige Zeit Sonnenschein. Doch diese Phasen werden immer kürzer und ihre Fantasiewelt in die sie flüchtet, wird immer langwieriger und spiegelt so vieles wider, was sie in der Realität erlebt. Und doch verliert sie nie die Hoffnung, die Liebe und das Vertrauen in andere Menschen und Wesen. Mia erlebt Verluste, viele Enttäuschungen, leidet, aber kämpft weiter und all das vermittelt die Autorin mit eindringlichen Passagen zu Mia´s Geschichte in der Geschichte.

Darin bedient sich die Autorin passender Zitate aus diversen Werken von Michael Ende und Auszügen von Hermann Hesse, die ich als gut gewählt empfand. Zudem wurden einige Illustrationen eingearbeitet, die die Geschichte in verschiedene Abschnitte unterteilt.

Ich habe viele Tränen vergossen, denn ich konnte das Leid und die Unschuld dieses Mädchen´s einfach nicht ertragen. Mir tat es im Herzen weh, was Kindern in der Wirklichkeit angetan wird und nichts unternommen werden kann, weil sie von Grund auf manipuliert werden von den Menschen, die eigentlich Schutz, Fürsorge und Unterstützung bieten sollten. Mia´s Geschichte mag zwar nicht komplett auf wahren Begebenheiten beruhen, aber der Kernpunkt entstammt einer wahren Erzählung, wie die Autorin im Nachwort preis gab.

Für mich war dieses Werk ganz und gar kein Jugend-oder Kinderbuch, denn dafür ist es einfach zu grausam. Ich weiß gar nicht so recht, wo ich diese Geschichte voller tragischer Ereignisse einordnen soll. Drama? Nein, auch das wäre nicht passend. Ein (fiktiver) Schicksalsroman mit Fantasy Elementen trifft es am Besten. Mich hat das Buch zum Nachdenken angeregt und dabei möchte ich es auch belassen. Immer die Augen offen halten und sich nicht nur auf die eigenen Probleme fixieren, denn es gibt so viel Schlimmes auf dieser Welt, was unentdeckt bleibt, weil Menschen ihre Augen verschließen und großes Leid verursacht.

Im Anhang wurden noch diverse Telefonnummern zu dieser Thematik hinzugefügt, die hilfreich sein könnten.

ZITATE:
"Und vergiss nie: Du sollst nicht nur lachen, wenn du Glück verspürst - das Glück kommt zu dir, weil du lachst." S.83

"Liebe, die man allein in Worte fasst, bleibt leer und bedeutungslos. Ihre wahre Größe zeigt sich erst in dem, was man in ihrem Namen tut." S. 164

“Das Reich der Tränen“ vermittelt dem Leser auf ganz besondere Art wie wehrlos und unschuldig Kinder sind und das sie vieles, was uns Erwachsenen normal erscheint noch gar nicht erfassen können. Mia's Kindheit ist allerdings von Gewalt und Erniedrigung geprägt und beschreibt ihren Umgang bzw. die Flucht vor der grausamen Realität in ein Land voller Wunder und Hoffnung. Ob Mia sich im Kampf gegen die böse Königin durchsetzen kann, erfährt man am Ende dieser kurzweiligen und bewegenden Geschichte.
Ein Buch, dass nachdenklich macht und auch ein Stück weit die Augen öffnet.
Dafür gibt es eine Leseempfehlung.

Erzählstil+Umsetzung: 4 von 5
Idee+Ausarbeitung: 4 von 5
Charaktere: 4-5 von 5
Verlauf/Tempo: 4 von 5

Gesamtwerk:


Eine Geschichte, die nicht nur an der Oberfläche kratzt, sondern tief berührt.
4 von 5
(4,1)
Über die Autorin:
Janine WilkJanine Wilk wurde am 07.07.1977 als einziges Kind eines Musikers und einer Malerin in Mühlacker geboren. Schon von Kindesbeinen an war die Literatur sehr wichtig für sie, mit elf Jahren schrieb sie ihre ersten Geschichten. Bis zum Abitur stand jedoch die Musik für sie im Vordergrund: Mit sechs Jahren fing sie an Klavier zu spielen, sie war auf einem musischen Gymnasium, belegte den Musik-Leistungskurs und arbeitete bis 2010 als Klavierlehrerin. Mit Anfang zwanzig wurde das Schreiben jedoch immer wichtiger für sie und sie fing mit der Arbeit an ihrem ersten Buch an. Schon bald folgten die ersten Veröffentlichungen im Bereich Lyrik und Kurzprosa. Zur Zeit lebt Janine Wilk mit ihrem Mann, ihren zwei Kindern, Hund und Katze in der Nähe von Heilbronn.www.janine-wilk.de

Kommentare:

  1. Guten Morgen Katie!

    Ich hab deine Rezi jetzt nur überflogen und das Fazit gelesen, da ich das Buch ja im Dezember lesen will und unvoreingenommen da dran gehen möchte. Aber ich seh schon, das wird kein einfaches Buch und ich bin echt gespannt. Solchen Themen gehe ich ja eigentlich lieber aus dem Weg, aber ab und zu scheint es zu passen - oder ist nötig, um einen zum Nachdenken zu bringen.

    Liebste Grüße, Aleshanee

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  2. Hallo Katie,
    allein das Cover ist ja schon ein Traum. Aber auch deine Worte zum Buch haben mich gleich überzeugt. Das klingt nach einer Thematik, über die man auch im Nachhinein noch länger nachdenkt. Eine Geschichte, die die Augen öffnet. Sowas mag ich sehr.
    Vielen Dank für diese wundervolle Rezension.
    Ganz liebe Grüße
    Tanja

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  3. Hallo Katie,
    mich hat die Geschichte auch damals sehr berührt und nachdenklich zurückgelassen.
    Es ist eines dieser Bücher, die sich einprägen und in Erinnerung bleiben.
    Liebe Grüße
    Ela

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